Die kleine Frankentour (Teil 1)

Es gibt in der Ferne viele schöne Dinge zu erkunden. Es gibt aber auch in der Heimat viele schöne Gegenden, die es sich zu entdecken lohnt. Den Start – so als erster “richtiger” Beitrag hier – macht daher Teil 1 der “kleinen Frankentour”. Wie man auf verschlungenen Wegen nach Schweinfurt und zurück kommt, davon handelt dieser Beitrag.

Reisen am Reformationstag

Es ist Ende Oktober – ein wolkiger und leicht nieseliger Dienstagmorgen bildet den Rahmen für einen Ausflug durch die fränkische Heimat. Genauer gesagt ist es der Reformationstag 2017, der in diesem Jahr einmalig als bundesweiter Feiertag begangen wird. Und ich hätte eigentlich erwartet, dass Franken und Martin Luther keinen wirklich engen Zusammenhang haben würden – eine kurze Suche später hab ich hierzu ein bißchen was dazugelernt.

Ausgangspunkt am heutigen Morgen ist Aschaffenburg, ganz im Nordwesten Bayerns gelegen, dem äußersten Zipfel Unterfrankens. Das Bayern-Ticket ist per App gekauft, die Verpflegung für die ersten Stunden der Fahrt ist gepackt (zum Thema “Essen auf Reisen” muss ich auf jeden Fall auch was schreiben) und somit kann’s losgehen.

Ein Ausflug in die Vergangenheit

Am Bahnsteig 2 wartet schon die Westfrankenbahn in Form eines Dieseltriebwagens, der ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkt. Die Züge vom Typ 628 wurde Ende der 80er Jahre gebaut, im Inneren finden sich neben viel beige die für diese Zeit typischen Pastelltöne in rosa, türkis und blau wieder. Es sind noch ein paar Minuten bis zur Abfahrt um 9 Uhr 23 – der Motor ist noch aus, im Zug ist es gefühlt noch kälter als draussen. Lange wird die Kälte nicht bleiben, kurz nach der Abfahrt wird es Grad für Grad wärmer und angenehmer im Zug. Außerdem haben sich erstaunlich viele weitere Fahrgäste eingefunden, die den Feiertag für einen Ausflug nutzen.

Die Fahrt, die vor uns liegt, führt nun durch Aschaffenburg, wir passieren den Haltepunkt “Hochschule” sowie den Südbahnhof und verlassen schließlich das Stadtgebiet. Noch schnell durch den Stadtteil Obernau und schon schlängelt sich der Zug auf der eingleisigen Strecke das fränkische Maintal entlang. Weiter geht es flußaufwärts in Richtung Erlenbach am Main, dort überquert der Zug schließlich auch das Gewässer (das ist das Eingangsbild oben zum Beitrag).

Für die Region typisch sind die Berghänge mit ihrer dichten Bepflanzung mit Wein, der dann je nach Sorte im für Frankenwein übliche Bocksbeutel abgefüllt wird.

Die Wolken hängen tief über den Hügeln, den Schafen ists egal.

Immer den Main entlang

Die Bahn legt unterwegs an mehreren Orten planmäßige Halte für mehrere Minuten ein – zum Beispiel in Klingenberg. Dort werden dann die in Richtung Aschaffenburg fahrenden entgegenkommenden Züge abgewartet. Auch wenn wir beim ersten dieser Halte erst knapp 20 Minuten unterwegs sind, hält es mancher Passagier schon nicht mehr ohne Nikotin aus und stürzt nach draussen.

Nach einer guten halben Stunde Fahrt überqueren wir ein weiteres Mal den Main und erreichen  schließlich die malerische Stadt Miltenberg, die im Schatten der namensgebenden Mildenburg liegt. Die Altstadt mit Schnatterloch, Fachwerkhäusern oder auch Hotel “Zum Riesen” ist in jedem Fall eine Reise wert. Heute ist allerdings der Weg das Ziel, daher bleiben wir im Zug sitzen und fahren nach kurzem Aufenthalt weiter.  Von Miltenberg aus startet übrigens eine weitere interessante Strecke, die Madonnenlandbahn, die von hier nach Seckach in Baden-Württemberg führt – auch das ist ein Thema für einen anderen Tag.

Das ist ja nicht mal Franken hier?

Wir fahren also nördlich des Mains weiter und folgen damit weiter dem Verlauf des Mainvierecks in Richtung Wertheim. Das Mainviereck heißt so, weil der Fluß zwischen Aschaffenburg, Miltenberg, Wertheim und Gemünden ein (wenn auch leicht schiefes) Viereck beschreibt.

Je länger die Fahrt dauert, desto besser wird auch das Wetter, die Nieselwolken machen langsam Platz und der Hochnebel verzieht sich. Der Blick aus dem Fenster fällt auf herbstliche Wälder, viele landwirtschaftliche Flächen und teils eng bebaute Städtchen. Der Zug folgt in vielen engen Kurven dem Main, es bleibt viel Zeit zum Schauen denn die Höchstgeschwindigkeit hier ist im besten Fall 100 km/h und liegt meistens eher bei 80 oder 90.

Wertheim und die gleichnamige Burg

Bei Hasloch quert der Zug ein weiteres Mal den Main und mit dieser Überquerung haben wir Bayern verlassen und befinden uns nun in Baden-Württemberg. Und auch wenn wir nicht mehr in Bayern sind, so bleiben wir doch in der Region Franken. Eigentlich eine spannende Sache, denn zu Franken zugehörig sind neben der Gegend Tauberfranken, in der wir uns jetzt befinden z.B. auch Teile Südthüringens und Hessens. Ob das auch in den jeweiligen Gegenden noch so gesehen wird, ist eine andere Frage.

Doch ein Franken, nur ein anderes

Nach kurzer Fahrt erreichen wir nun den Bahnhof Wertheim. Dieser Ort ist vielleicht manchem durch das an der A3 gelegene Outlet-Shoppingcenter ein Begriff. In Wertheim endet die Maintalbahn nach knapp 70 Kilometern Streckenlänge, nahtlos daran schließt sich die Taubertalbahn an, die von hier bis nach Crailsheim führt. Für die Fahrgäste ändert sich nichts, zumindest für uns nicht. Denn wer bis zum eigentlichen Endpunkt der Strecke will, für den bedeutet das heute Umsteigen auf den Bus in Markelsheim, wo der Zug heute wegen Streckenarbeiten vorzeitig endet.

Das Taubertal steht dem Maintal übrigens nichts an Schönheit nach. Sowohl die Täler wie auch die Dörfer und Städtchen bieten tolle Ausblicke aus dem Zug. Wie auch am Main wird hier ebenfalls viel Wein angebaut und immer wieder fällt der Blick auf Burgen, Klöster und Schlösser, die es in der Gegend so zahlreich gibt.

Unser Zug (BR 628) nach Ankunft im Bahnhof Lauda

Das erste Zwischenziel ist erreicht

Unser Ziel für diesen Abschnitt ist der frühere Bahnknotenpunkt Lauda. Große, aus heutiger Sicht völlig überdimensionierte Bahnanlagen und Gebäude erinnern an die Zeit, in der Lauda ein sehr bedeutender Bahnknoten war. Übrigens recht passend, dass der erste Beitrag ausgerechnet diese Strecke und den Bahnhof Lauda behandelt: Mein Opa war zu Dampflokzeiten in seiner Funktion als Zugführer regelmäßig mit Güterzügen auf der Strecke Aschaffenburg-Lauda unterwegs.

Hier hab ich also vermutlich die entsprechenden Eisenbahnergene her.

Empfangsgebäude Lauda. Quelle: Wikimedia (Bild ist gemeinfrei).

Mit der Ankunft in Lauda endet der erste Teil zur kleinen Frankentour. Der zweite Teil ist bereits in der Bearbeitung. In Lauda steigen wir um, von hier führt uns die Fahrt über die Frankenbahn nach Würzburg. Von dort geht es dann schließlich weiter bis nach Schweinfurt.

Infos zum ersten Teil der Frankentour

Strecke:
Aschaffenburg – Miltenberg – Wertheim – Lauda, Streckenlänge 99,8 km

Dauer:
Regionalexpress, Abfahrt 9:23 Uhr – Ankunft Lauda 11:06 Uhr

 

Oli fährt gern mit der Bahn, gern auch auf Umwegen oder über langsame Strecken.

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